Bromo – Wow!

Bromo – Wow!

Von Pulau Merah wieder weg zu kommen, gestaltet sich schwieriger als gedacht. Der Zug, der vom nächsten Ort Richtung Malang abfährt, ist bereits Tage vor der Abfahrt ausgebucht. Das hätten wir vielleicht ahnen sollen, auf dem am dichtest besiedelten Flecken der Erde… In unserem Dorf begegnen wir einem anderen Deutschen, der wie wir nach Malang weiterreisen möchte. So stecken wir die Köpfe zusammen und überlegen, wie wir das Problem lösen können. Der Bus fährt zu spät los, sodass wir erst Mitternacht ankommen würden. Im Endeffekt bleibt uns nur, uns von einem privaten Fahrer für gutes Geld mit dem Auto fahren zu lassen. Gesagt, getan. Um fünf Uhr morgens geht es frohen Mutes los. Für die gerade mal 300 Kilometer planen wir großzügige acht Stunden ein. Jedoch werden wir unglaubliche 12 Stunden brauchen! Unser Fahrer fährt eine Zickzack-Strecke, die er schon seit 30 Jahren so fährt. Dass inzwischen eine bessere Verbindung gebaut wurde, scheint ihn wenig zu interessieren. Erschreckenderweise scheint er während der Fahrt immer mal wieder wegzunicken. Der konstante Keksnachschub unseres Mitfahrers hält ihn einigermaßen wach. Zu allem Übel stecken wir die letzten Kilometer in Malang noch im Stau fest und die Sonne geht bereits unter. Als wir endlich ankommen, hat glücklicherweise noch der Mopedverleih geöffnet, den wir vorher im Internet gefunden hatten. Denn wir müssen noch 20 Kilometer bis zu dem Dorf weiter, wo wir wohnen werden. Da unser Bett verschimmelt ist, das Bad auch nicht in besserem Zustand ist und das Wifi nicht funktioniert, mit dem wir die Weiterreise organisieren müssen, wechseln wir am nächsten Tag erst einmal die Unterkunft. Die neue Unterkunft ist besser, auch wenn wir nun Ohrstöpsel zum Schlafen brauchen. Denn direkt gegenüber steht eine Moschee. Um vier Uhr morgens wird mittels Megaphon der Gesang des Muezzins über die Nachbarschaft verbreitet. Er scheint zu sagen: Beten ist wichtiger als Schlaf! Das Ganze findet übrigens fünfmal täglich statt.

Manche Leute im Dorf sehen ziemlich konservativ aus und gucken uns streng an (vor allem ältere). Doch uns passiert es immer öfter, dass sich Leute ehrlich freuen, uns zu sehen, lächeln, hupen, hello oder hey rufen oder den Daumen hoch zeigen. Überall, wo wir hinkommen, sind wir ein Highlight, die Leute gucken uns an, lachen (wahrscheinlich über unsere Größe) oder wollen ein Selfie mit uns machen. Ob es beim Imbiss ist oder in der Wäscherei… Aber nicht so plump und fordernd wie am Red Island Beach. Wer sich wie ein Superstar fühlen will, ab nach Java!

Auf dem Weg zum Regenbogen-Wasserfall

Am nächsten Tag besuchen wir den Regenbogen-Wasserfall. Ein Weg führt uns einen Berghang entlang. Das Geländer, die kleinen Aussichtsplattformen und Bänke sind aus Holz und gemäß dem Motto Regenbogen bunt bemalt. Dann sehen wir den Wasserfall, wie er scheinbar aus dem Nichts aus einem Berg gegenüber entspringt. Die Kulisse ist atemberaubend schön. Die steilen Hänge, ehemals durch vulkanische Aktivitäten entstanden, nun grün bewachsen, wirken wie aus einer anderen Welt. Die Landschaft ist so wunderschön, dass der Wasserfall nicht das Highlight ist, sondern nur das i-Tüpfelchen… Wir genießen diesen Anblick bis zum Sonnenuntergang, dann hüllt uns langsam eine Wolke in kühle feuchte Luft.

Der Regenbogen-Wasserfall

Schließlich machen wir die Tour, wegen der wir uns auf den Weg in diese Gegend gemacht haben: Zur Vulkanlandschaft Bromo. Zum Nationalpark gehören der Semeru, mit 3676m höchste Vulkan Indonesiens, der Bromo, der Kursi, der Widodaren und der Batok. Die gesamte Tengger-Caldera ist aktiv und so pafft es an allen Ecken..

Die Fahrt mit dem Moped führt uns durch die tolle vulkanische Hügellandschaft. Überall, wo es möglich ist, werden Pflanzen angebaut, etwa Kohl im Wald. Als wir den Eingang zum Nationalpark erreichen, müssen wir ein ordentliches Eintrittsgeld abdrücken, da wir unser ausländisches Aussehen nicht verbergen können (Ausländer zahlen auf Java oft das neun- bis zehnfache des Eintritts wie Einheimische). Weiter geht’s. Bald führt uns die asphaltierte Straße den Berg hinunter, es wird ziemlich steil. Wir machen uns ernsthaft Sorgen, ob das Moped es hier nachher wieder hoch schaffen wird… Die eigentliche Problematik besteht jedoch darin, mit dem Automatik-Scooter ohne Motorbremse bergab zu fahren. Es eröffnet sich ein toller Blick auf ein großes Tal mit Aschewüste.

Die steile Straße überwunden… Das Tal zum Bromo

Als wir unten ankommen, endet die Straße. Ab jetzt heißt es, durch den Sand bzw. Asche fahren! Das ist schwierig, weil wir immer wieder wegrutschen. Die anderen Leute, denen wir begegnen, fahren alle starke Crossmaschinen oder Jeeps. Wir sehen daneben mit unserem 125er-Automatik bestimmt witzig aus. Doch wie aufregend es ist, durch diese faszinierende Landschaft zu fahren und mittendrin zu sein!

Links der dampfende Bromo, rechts der Batok

Irgendwann kommt eine Art “Parkplatz“, wo wir unser Maschinchen abstellen. Den Rest müssen wir laufen. Der Bromo ist nicht mehr weit. Am Fuße des Vulkans führt eine Treppe nach oben, die durch Ascheverwehungen teils verdeckt ist. Der altbekannte Schwefelgeruch ist wahrnehmbar. Das Atmen durch’s Tuch ist bei dem Anstieg und der Hitze anstrengend. Doch es lohnt sich, denn oben erwartet uns der unglaubliche Blick direkt in den Krater! Wir sehen den Dampf herauskommen. Wir hören das tiefe Brodeln. Die Urgewalten der Erde. WOW!

Der Bromo-Krater
Das Aschetal vom Bromo-Krater aus

Man könnte sogar auf dem schmalen Rand des Kraters weiter entlang laufen. Das ist nicht ungefährlich, da es keine Sicherung oder gar Warnschilder gibt. In Deutschland undenkbar. Uns fehlt jedoch die Zeit. Wir müssen weiter, da wir noch zum Aussichtspunkt wollen. Weiter geht es durch die Wüste bis zum gegenüberliegenden Berg. Hier existiert wieder eine Straße. Diese ist jedoch so steil, dass wir es gerade so hoch schaffen. Es gibt mehrere Aussichtspunkte. Diese sind sehr gut motorisiert erreichbar, man muss kaum noch laufen. Der Ausblick ist… So, dass wir es kaum für möglich gehalten hätten. Man sieht das ganze Vulkanmassiv von oben. Der Vulkan Bromo ist die ganze Zeit am qualmen, während der höhere Semeru nur ab und zu pafft. Links von der Caldera befindet sich das Dorf Cemoro Lawang, rechts Hügel, über die sich bei Sonnenuntergang die Wolken schieben.

Am Horizont der Semeru (im letzten Bild mit Aschewolke), links der qualmende Bromo, mittig ganz vorne der Batok, links hinterm Bromo der Kursi, rechts daneben der Widodaren und der Watangan – allesamt in der Tengger-Caldera

Morgens soll es hier sehr voll sein. Wir haben Fotos gesehen, die von einem Festival stammen könnten. Organisierte Touren finden auch generell morgens statt. Jetzt am Abend haben wir die Aussichtsplattform merkwürdigerweise fast für uns allein. Wir bleiben, bis immer mehr Sterne zu sehen sind. Bald tauchen der Mars und die Milchstraße auf. Die Milchstraße ist so deutlich sichtbar, dass Fabi seinen ersten Versuch startet, diese zu fotografieren.

Der Versuch ist gelungen!?

Es wird immer kälter, bis wir uns im “Kiosk“ nebenan eine Instantsuppe holen müssen, um uns wieder aufzuwärmen. Schal und Handschuhe braucht man sogar. Für den Rückweg beschließen wir, lieber einen Umweg in Kauf zu nehmen, und dafür eine richtige Straße zu fahren, anstatt wieder durch die Wüste zu “eiern“. Dies wird sich als fataler Trugschluss herausstellen. Wir folgen der Straße mit unserer Kartenapp. Irgendwann wird die Straße sehr huckelig und steinig. Kein Problem, denken wir, wir haben es auch schon über die Huckelpisten Kambodschas geschafft. Irgendwann geht es immer weiter hoch und der Weg wird immer schmaler, bis nur noch ein Trampelpfad übrig ist. Rechts und links tun sich Abgründe auf! Wir können in der Dunkelheit jedoch nichts sehen. Wir identifizieren Schwefelgeruch. Schlussfolgerung: Wir fahren auf einem schmalen Vulkan-Kraterrand entlang. Im Dunkeln. Na perfekt. Das geht so eine ganze Weile weiter, hoch und runter und um die Kurve. Wir sagen, das können wir keinem erzählen, das glaubt uns sowieso keiner! Nach einer Ewigkeit mündet der Trampelpfad über Stock und Stein in einen asphaltierten breiteren Weg. Geschafft!!! Genau an dieser Stelle zelten drei Jugendliche, die uns irgend etwas fragen (verstehen wir nicht). Fabi sagt nur “Very bad way“ und zeigt hinter uns, gefolgt von lautem Gelächter. Nach einer weiteren endlosen Tour durch die Kälte schaffen wir es endlich in unser Dorf.

Bei einer Pause auf dem Rückweg konnte Fabi nicht widerstehen, den klaren Blick auf die Milchstraße erneut einzufangen

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