Kuala Lumpur

Kuala Lumpur

Der erste Eindruck von Malaysia entsteht bereits beim Landeanflug. Während wir immer tiefer über den Süden des Landes hinweggleiten, sehen wir eigentlich nur eines: Ölpalmen, in Reih und Glied. Dieses Ausmaß ist ziemlich schockierend, wenn man bedenkt, dass hier einst Regenwald beheimatet war. Doch nun landen wir erst einmal in der Hauptstadt und hier kommt man schnell auf andere Gedanken.

Skyline am Titiwangsa-See

Zunächst einmal, die Luftfeuchtigkeit! Im Gegensatz zu Bali ein deutlicher Unterschied. Unser Hotel befindet sich im Stadtviertel Brickfields. Hier leben sehr viele Inder. Dementsprechend gibt es auch viele indische Restaurants und schon ist es um uns geschehen! Indisches Essen steht ab jetzt sehr hoch im Kurs. Besonders das “Banana Leaf“ hat es uns angetan. Dabei wird eine Portion Reis mit allerlei Gemüse, Soßen und etwas Knusperbrot (Papadam) wahlweise mit Hühnchen oder Lammfleisch auf einem Bananenblatt serviert.

Die Stadt an sich ist recht entspannt. Ganze 52% der Bevölkerung sind Chinesen, 6% sind Inder und der Rest natürlich Malaien. Trotz der offensichtlichen Unterschiede leben alle friedlich miteinander. Nicht zu vergessen der eine Syrer, den wir treffen. Er arbeitet in einem arabischen Restaurant – Arabisches Essen steht bei uns ebenfalls sehr sehr hoch im Kurs, ist nur komischerweise viel teurer als alles andere. Jedenfalls ist die halbe Familie des Syrers derzeit wegen des Krieges in Berlin! Als er sich ebenfalls gezwungen sah, zu gehen, war der Weg über die Türkei nach Europa nicht mehr möglich. So ist er stattdessen in Malaysia gelandet.

Blick aus unserem Hotelzimmer

Unternehmen kann man in Kuala Lumpur wirklich viel. Wir bleiben jedenfalls über zwei Wochen – da wir hier Fabis alte Kamera reparieren lassen können – ohne uns zu langweilen. Als erstes möchte ich (surprise surprise) den KL Eco Forest Park sehen. Das ist weniger ein Park als ein Stückchen übrig gebliebener Urwald mitten im Großstadtdschungel. Es gibt mehrere Wege hindurch und einen Baumwipfelpfad.

Dagegen ist der KLCC-Park ein “normaler“ Park, mit einem riesigen Spielplatz (inklusive Wasserspielplatz für die Kleinen), einem Springbrunnen und mit Blick auf das Wahrzeichen der Stadt: Die Petronas Towers. Jeden Abend findet hier eine kostenlose Licht- und Wassershow statt, die stets gut besucht ist.

Die Petronas Towers – das Wahrzeichen von Kuala Lumpur

Während unserer Zeit hier besuchen wir außerdem den Botanischen Garten. Dies ist ein sehr schöner und weitläufiger Park mit einem kleinen See. Eine echte Oase in der Stadt, in der man dem Vogelgezwitscher lauschen kann. Es gibt einen Kräutergarten, einen Orchideengarten, und ist zum Teil sehr naturnah gestaltet und mit Erklärtafeln zur Tier- und Pflanzenwelt ausgestattet. Anhand solcher Kleinigkeiten kann man erahnen, dass Malaysia bildungstechnisch gesehen, etwas weiter entwickelt ist als andere Länder in Südostasien.

Im Botanischen Garten

Shoppen kann man in Kuala Lumpur bis zum Umfallen, wenn man nicht der ständigen, stadttypischen Anpreisung für Konsum widerstehen kann. Oft wird man sogar automatisch durch eines der vielen Einkaufszentren geleitet, wenn man eigentlich nur zur Bahn möchte. Übrigens steht hier eine der größten Shopping Malls der Welt, das Berjaya Times Square. Wir staunen nicht schlecht über die unglaublich vielen aneinandergereihten kleinen, gemütlichen Läden, die sich über zehn Etagen erstrecken. Nichtsahnend durch das oberste Stockwerk schlendernd, gucken wir nicht schlecht als plötzlich Geschrei ertönt und eine Achterbahn über unsere Köpfe braust!

Im indischen Viertel

Ein geschichtsträchtiger Ort ist das Sultan Abdul Samad Gebäude. Dessen Architektur ist wirklich schön und interessant: Der Stil ist geprägt durch den nordindischen Islam, aber beinhaltet auch maurische (Nordafrika, Andalusien) und europäische Elemente (der Turm sieht Big Ben nicht unähnlich). Das Haus war früher das Bürogebäude für die britische Kolonialregierung. Auf einem Platz daneben begann 1957 die Bewegung für die Unabhängigkeit von Großbritannien. Die große Rasenfläche davor dient heute allabendlich als Platz zum Entspannen und als Spielwiese für die Kinder.

Das Sultan Abdul Samad Gebäude

Da man sich ja kulturell weiterbilden will 😉 , besichtigen wir einen chinesischen Tempel, einen indischen Tempel und eine Moschee. Klingt irgendwie wie der Anfang eines Witzes. Zum chinesischen Tempel können wir laufen, er liegt am Stadtrand auf einem Hügel, weshalb man von dort einen guten Blick auf die Stadt hat. Der Tempel ist sehr groß und hübsch. Als wir kommen, werden gerade rote Lampions durch gelbe ersetzt – Moment mal, werden die alten jetzt etwa einfach alle weggeworfen? Das achtlose Herunterschmeißen von der Leiter macht jedenfalls den Eindruck. Wir beobachten die vielen Menschen, die mit Räucherstäbchen schwenkend andächtig beten und diese anschließend in eine große Schale stecken.

Thean Hou Tempel

In direkter Nähe auf dem benachbarten Hügel liegt der chinesische Friedhof. Manche der traditionellen Grabstätten sind verwildert, andere penibel gepflegt. Gerade sehen wir einen älteren Mann, der gezielt ein Feuer legt, damit die Gräber nicht vom Gras überwuchert werden. Dadurch entsteht langfristig ein interessanter neuer Lebensraum. Der Friedhof ist ein Refugium für Vögel, Insekten, … Auch ein Waran kreuzte unseren Weg. Von oben haben wir einen tollen Blick auf die Skyline der Stadt, während wir von Grillen bezirzt werden.

Blick auf die Stadt vom alten chinesischen Friedhof

Für den Besuch einer Moschee haben wir uns die Nationalmoschee ausgesucht, zu malaiisch Masjid Negara. Es gibt nur fünf relativ kurze Besuchszeiten, die zwischen die Gebetszeiten gequetscht werden. Heute sehr gut besucht, müssen wir anstehen, damit wir den obligatorischen Umhang bekommen. Zwar ist die Moschee nicht sehr spektakulär, aber dennoch interessant von innen zu sehen.

In der Masjid Negara

Die Batu Caves sind ein weiteres Muss, wenn man in Kuala Lumpur ist. Etwas außerhalb gelegen, erreicht man sie gut und billig mit dem Zug. Es handelt sich um große Kalkstein-Höhlen, in denen sich indisch-hinduistische Tempel befinden. Zufälligerweise kommen wir genau am malaysischen Nationalfeiertag. Zum Glück! Es wird laute indische Musik gespielt und Gesang und Tanz vorgeführt. Vor dem Eingang zur größten Höhle steht die beeindruckende, 42,7 Meter hohe Statue des Hindu-Gottes Murugan.

Ein Tempel der Batu Caves

Wenn man etwas Geld für ein super teures Getränk übrig hat, an dem man dann möglichst lange nuckelt um sich nicht in Unkosten zu stürzen, kann man den Abend sehr gut in der Heli Bar ausklingen lassen. Die Bar entsteht allabendlich, indem Stühle und Tische einfach auf eine Helikopter-Landefläche auf dem Dach eines Wolkenkratzers gestellt werden. Von hier oben sieht die Welt anders aus und man hat einen tollen Blick auf den Sonnenuntergang.

Heli Bar

Das letzte große Ausflugsziel für uns ist die Stadt Putrajaya, wo die Regierung Malaysias ihren Sitz hat. Mit dem Zug braucht man nur zwei Stationen zu fahren und schon sind wir da. Die Stadt ist durch und durch eine Planstadt, wie man es sonst nur von China oder Russland kennt.

Alles wurde genauestens arrangiert und perfekt angeordnet. Perfekte Straßen, perfekte Fußwege direkt am Wasser entlang, sogar viele schöne Parkbänke zum Ausruhen, und viel Platz und Freiraum. Mit anderen Worten, sehr fußgängerfreundlich und überhaupt ganz untypisch für Südostasien. Besonders eindrucksvoll ist aber die Architektur.

Brücke in Putrajaya

Schicke moderne Häuser verschiedenster Variationen und extravagante Brücken lassen jedoch auch Platz für das Traditionelle. So steht am Ufer des Putrajaya-Sees eine imposante schöne Moschee.

Dass das Ganze so lohnenswert ist, hätten wir vorher nicht vermutet! Typisch Planstadt, wohnen trotz der genannten Vorzüge noch nicht sehr viele Menschen hier, es steht somit viel leer (Stichwort Geisterstadt). Die Menschen, die wir hier treffen, sind aber superfreundlich und wir werden oft angelächelt.

Putrajaya

Zum Abschluss von Kuala Lumpur gönnen wir uns eine Airbnb-Unterkunft in einem Wolkenkratzer mit tollem Blick auf die Stadt. Man kann auch aufs Dach gehen, wo es einen kleinen Infinity-Pool gibt. Wir haben jedoch gerade nur Augen für das aufziehende Gewitter. Es wird immer dunkler und die Elektrizität der vielen stark verzweigten Blitze spüren wir durch den Körper zischen, ein bisschen wie Kopfschmerzen.

Hochspannung pur

2 Gedanken zu „Kuala Lumpur

    1. Glücklicherweise nicht! Es gab auch tatsächlich noch Leute die sich das Gewitter seelenruhig aus dem Pool auf dem Dach angeschaut haben. Das nennt man wohl Dummheit des Schwarms.
      Grüße an die ganze Familie!

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