Trang

Trang

Als wir das letzte Mal von Kambodscha nach Thailand einreisten, hat sich niemand für unser Gepäck interessiert. Doch diesmal wird es sogar durch den Scanner geschoben, nachdem die Fähre uns in Satun ausgesetzt hat. So unterschiedlich kann es sein, je nachdem von wo man kommt. Das betrifft auch den ersten Eindruck! Damals von Kambodscha aus war Thailand der große fortschrittliche Bruder, während uns jetzt als erstes der endlose Kabelsalat aus Stromleitungen über den Straßen auffällt. Gab es in Malaysia nicht in dem Ausmaß, stellen wir erst jetzt fest.

Die 140 Kilometer bis nach Trang legen wir mit einem Minivan zurück. Unser erster Eindruck von der Stadt ist nicht besonders toll. Doch hier können wir das ungeschminkte alltägliche Leben beobachten. Die Stadt ist sehr authentisch und hat durchaus einen, wenn auch etwas rauen, Charme. Es gibt viele alte, schöne Häuser aus chinesischer und französischer Kolonialzeit in Stein- und Holzbauweise. Außerdem mehrere Märkte für Lebensmittel, wo wir hinüber schlendern und als einzige Weiße offenbar auffallen. Läden mit echtem Handwerk und Antiquitäten verhelfen uns zu schönen Souvenirs, mit denen die oft aus China importierte Massenware der Touristenzentren nicht mithalten kann.

Über die Märkte schlendern…

In der Nähe gibt es einige vielversprechende kleinere Inseln. Da wir darauf verzichtet haben, schon wieder quasi Strandurlaub zu machen, entschließen wir uns, zumindest ein Inselhopping mitzumachen, um einen Eindruck von der Gegend zu bekommen. Erst werden wir zum Meer gefahren und dann geht’s mit dem Boot weiter. Wir sind die einzigen Ausländer und die Guides können nur unwesentlich besser Englisch als wir Thai… Wir passieren kleine steile Karstinseln und halten dann an zwei verschiedenen Spots zum Schnorcheln. Doch die Sicht ist trüb und die Unterwasserwelt nicht sehr spektakulär.

Der nächste Halt ist an der kleinen Insel Kradan. Dort dürfen wir (leider nur) eine halbe Stunde baden und den Strand erkunden, welcher traumhaft ist. Stellenweise richtig urig mit “echten“ Strandbäumen am Wasser (keine Palmen) und der noch nicht verdichtete, weiche Sand unter den Füßen… Als letztes fahren wir zur Insel Koh Muk. Hier gibt es die Smaragd-Höhle (emerald cave). Wir werden nun angewiesen, die Schwimmwesten anzulegen.

Koh Muk

Fabian wird als erster gebeten, aus dem Boot zu steigen und sich an dem Ring festzuhalten, den der Führer mit einem Seil hält. Danach komme ich und alle anderen, bis eine lange Schlange entsteht, bei der sich jeder polonäsengleich am Vordermann festhält, also im Prinzip alle an Fabi dran hängen. Der Führer zieht uns in die Höhle, ein anderer leuchtet mit einer Taschenlampe. Es wird stockdunkel und der Gang wird relativ schmal, doch sie scheinen zu wissen was sie tun. Hohe Wellen schwappen hinein, sodass die ganze Schlange nach und nach wie eine Laolawelle angehoben wird. Die Thais rufen begeistert “Hoooiii“. Als uns eine andere Schlange entgegen kommt, scheinbar ebenfalls nur Thais, lachen sich alle an und freuen sich! Nach ein paar Minuten durch die Dunkelheit wird es wieder heller, und die Höhle eröffnet sich vor uns. Ein kreisrundes zig Meter tiefes Loch unter freiem Himmel, mit einem Sandstrand, Bäumen und Gebüsch und dahinter die rechtwinklig nach oben ragende Felswand. Wir stellen uns vor, wie es wohl wäre, hier ohne die ganzen laut schnatternden Thais anzukommen, an diesem mystischen Ort, und die besonderen Geräusche wahrzunehmen. Aber auch so ist es beeindruckend, und zum Glück hat der Taschenlampenführer unseren kleinen Fotoapparat in einem wasserdichten Sack hier heil reinbugsiert, sodass wir sogar ein Foto schießen können.

Smaragd-Höhle
Zurück am Hafen

Am nächsten Tag besuchen wir den Thung Khai Peninsula Botanical Garden außerhalb der Stadt. Es führt sogar ein Baumwipfelpfad durch die Kronen des Regenwaldes. Es ist immer ein tolles Gefühl, so weit oben zu sein!

Gut getarnt

Im Anschluss folgen wir einem Pfad durch einen Sumpf – Ein einzigartiger Lebensraum in Südostasien, den wir so noch nicht zu Gesicht bekommen haben. Wir haben Glück, denn gerade blühen unzählige Orchideen.

Wilde Orchidee
Gottesanbeterin
Fleischfressende Kannenpflanze

Später müssen wir kartenspielend unter einem Unterschlupf ausharren, da es anfängt aus Kübeln zu schütten. Nach gefühlten Stunden können wir doch noch mit dem Roller zurück fahren. Auf dem Rückweg stoßen wir zufällig auf eine buddhistische Prozession der chinesischen Bevölkerung, die die Straßen blockiert. Alle marschieren in weiß gekleidet, manche mit Fahnen, manche sogar mit langen, durch die Wangen gestochenen Stäben…

Eine Ladung Pilgerer
Mit diesem Drachen werden Spenden gesammelt.

Am Abend sind wir nochmals zu den Festlichkeiten gestoßen. Auf Nachfrage erfahren wir, dass es sich hierbei um das “vegetarische Fest“ handelt. Zehn Tage lang werden Körper und Geist durch den Verzicht auf bestimmte Lebensmittel gereinigt. Offiziell heißt es  übrigens auch Fest der neun Kaisergötter und wird einmal jährlich von Auslandschinesen in Südostasien gefeiert, besonders in Malaysia und Thailand. Am Ende finden dann ohrenbetäubende Feuerwerke statt. Die Teilnehmer ziehen durch die Straßen und zünden von langen Stangen herabhängende Bänder an, die mit Knallern gefüllt sind. Daraufhin tanzen die Männer darunter mit einer Art Holzschrein in den Händen direkt im Funkenregen!

Es leuchtet und knallt, so dass wir beim Fotografieren fast einen Hörsturz bekommen, da man sich nicht gleichzeitig die Ohren zuhalten kann. Netterweise gibt uns ein lieber älterer Mann etwas von seinem Vorrat an Watte ab, um die Ohren zu schützen. Von Straße zu Straße wandernd und immer wieder Knaller anzündend, wird die weiße Kleidung der Männer bald rauchig grau. Wir ziehen mit der Prozession eine Weile mit, denn es macht einen riesigen Spaß, mitten drin zu sein! Was für ein passender Zufall, dass das genau an meinem Geburtstag passiert 🙂

Wie man vielleicht beim Lesen geahnt hat: Die Regenzeit hat uns wieder. Da diese nach Süden wandert, musste das irgendwann passieren, also hüpfen wir jetzt einmal drüber auf unserem Weg Richtung Norden. Wir freuen uns schon auf Laos und werden deshalb in den nächsten Tagen etwas längere Strecken als üblich fahren. Zunächst mit dem Nachtzug in 15 Stunden nach Bangkok. Es schließt sich ein Kreis in unserer Reiseroute…

Morgen Nachmittag mit dem Nachtzug nach Bangkok.

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